Cybersecurity

🎭 🎭 Identitätsdiebstahl: So merkst du, ob jemand in deinem Namen Unfug treibt

Florian Muff · 10. Juni 2026 · 5 Min. Lesezeit

Wenn plötzlich Rechnungen ins Haus flattern

Du öffnest deinen Briefkasten und findest eine Mahnung für ein Handy-Abo, das du nie abgeschlossen hast. Oder dein Kreditkartenkonto zeigt Abbuchungen für Online-Käufe, an die du dich nicht erinnerst. Das sind klassische Warnsignale für Identitätsdiebstahl.

In der Schweiz melden sich jährlich Tausende bei der Polizei, weil Kriminelle ihre Daten missbraucht haben. Manchmal geht es um kleine Beträge, manchmal um Kredite über mehrere Zehntausend Franken. Der Schaden ist nicht nur finanziell: Es kann Monate dauern, bis du beweisen kannst, dass du nichts mit den Geschäften zu tun hast.

Deshalb ist es wichtig, dass du deine Kontoauszüge regelmässig prüfst. Nicht nur die grossen Beträge, auch kleine Abbuchungen können auf Missbrauch hinweisen. Kriminelle testen oft mit Kleinstbeträgen, ob eine Karte noch aktiv ist.

Verdächtige Login-Versuche und Passwort-Resets

Du erhältst eine E-Mail, dass jemand dein Passwort ändern wollte, obwohl du nichts angefordert hast. Oder dein E-Mail-Anbieter meldet einen Login-Versuch aus Rumänien, obwohl du gerade in Zürich sitzt. Solche Meldungen solltest du niemals ignorieren.

Viele Online-Dienste zeigen dir heute an, von wo aus auf dein Konto zugegriffen wurde. Bei Google findest du das unter "Sicherheit" und "Meine Geräte". Bei Microsoft unter "Konto" und "Aktivität". Wenn du dort Zugriffe aus Ländern siehst, in denen du nie warst, ist Handlungsbedarf.

Reagiere sofort: Ändere dein Passwort und aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Prüfe auch, ob deine E-Mail-Adresse in einem Datenleck aufgetaucht ist. Die Seite haveibeenpwned.com zeigt dir das kostenlos an.

E-Mails, die du nicht verschickt hast

Deine Freunde beschweren sich über seltsame E-Mails von dir? Oder dein "Gesendet"-Ordner enthält Nachrichten, die du nicht geschrieben hast? Das ist ein klares Zeichen, dass jemand Zugriff auf dein E-Mail-Konto hat.

Kriminelle nutzen gekaperte E-Mail-Konten, um Phishing-Mails an deine Kontakte zu versenden. Die Empfänger vertrauen der Absenderadresse und öffnen eher schädliche Links. Manchmal werden auch automatisch Weiterleitungen eingerichtet, damit der Angreifer alle deine E-Mails mitliest.

Kontrolliere deshalb die Einstellungen deines E-Mail-Kontos: Gibt es Weiterleitungen, die du nicht eingerichtet hast? Sind unbekannte Geräte eingeloggt? Bei Gmail findest du diese Infos unter "Einstellungen" und "Weiterleitung". Lösche alles Verdächtige und ändere sofort dein Passwort.

Ablehnung von Kreditanträgen, die du nie gestellt hast

Du bekommst einen Ablehnungsbrief für einen Kredit, den du nie beantragt hast. Oder deine Bank meldet sich, weil jemand in deinem Namen eine neue Kreditkarte angefordert hat. Das sind ernste Warnzeichen für Identitätsmissbrauch.

In solchen Fällen haben Kriminelle oft nicht nur deine Kontodaten, sondern auch Kopien deiner Ausweisdokumente. Sie nutzen deine Identität, um Kredite aufzunehmen oder Verträge abzuschliessen. Der Schaden kann erheblich sein und deine Kreditwürdigkeit langfristig beeinträchtigen.

Melde dich sofort bei der betroffenen Bank oder dem Kreditgeber. Stelle klar, dass du nichts mit dem Antrag zu tun hast. Erstatte Anzeige bei der Polizei und fordere eine Kopie des Polizeiprotokolls an. Das brauchst du, um später nachzuweisen, dass du Opfer geworden bist.

Social Media: Fake-Profile mit deinem Namen

Jemand hat ein Instagram- oder Facebook-Profil mit deinem Namen und deinen Fotos erstellt. Deine Freunde werden von diesem Fake-Account kontaktiert und um Geld gebeten. Das passiert häufiger, als viele denken.

Kriminelle erstellen solche Profile, um dein Vertrauen bei Bekannten auszunutzen. Sie posten manchmal monatelang harmlose Inhalte, bevor sie mit Betrugsmaschen starten. Manche geben vor, in einer Notlage zu sein und dringend Geld zu brauchen.

Wenn du ein Fake-Profil entdeckst, melde es sofort bei der Plattform. Die meisten Social-Media-Dienste haben dafür spezielle Formulare. Informiere auch deine Kontakte, damit sie nicht auf Betrugsversuche hereinfallen. Aktiviere bei deinen eigenen Accounts die Privatsphäre-Einstellungen, damit weniger Informationen öffentlich sichtbar sind.

So checkst du, ob deine Daten kompromittiert sind

Es gibt kostenlose Tools, mit denen du prüfen kannst, ob deine Daten in bekannten Datenlecks aufgetaucht sind. Die Website haveibeenpwned.com ist dafür die bekannteste Anlaufstelle. Gib dort deine E-Mail-Adresse ein und du siehst, bei welchen Diensten deine Daten betroffen waren.

Auch der Identity Leak Checker des Hasso-Plattner-Instituts (sec.hpi.de/ilc) zeigt dir, ob deine E-Mail-Adresse in bekannten Leaks aufgetaucht ist. Wenn deine Daten in einem Leak auftauchen, ändere sofort alle betroffenen Passwörter. Nutze für jeden Dienst ein eigenes, starkes Passwort.

Ein Passwort-Manager wie Proton Pass oder Bitwarden hilft dir dabei, den Überblick zu behalten. Diese Tools generieren sichere Passwörter und speichern sie verschlüsselt. So musst du dir nur noch ein Master-Passwort merken.

Präventive Massnahmen: So schützt du dich

Identitätsdiebstahl lässt sich nie zu 100 Prozent verhindern, aber du kannst es Kriminellen deutlich schwerer machen. Aktiviere überall, wo möglich, die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Das bedeutet: Selbst wenn jemand dein Passwort kennt, braucht er noch einen zweiten Faktor (meist ein Code auf deinem Handy).

Kontrolliere regelmässig deine Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnungen. Viele Banken bieten Push-Benachrichtigungen für jede Transaktion an. So merkst du sofort, wenn etwas nicht stimmt.

Sei vorsichtig mit persönlichen Informationen in Social Media. Je weniger öffentlich sichtbar ist, desto schwieriger wird es für Kriminelle, deine Identität nachzubilden. Überlege dir zweimal, bevor du Geburtsdatum, Wohnort oder Arbeitgeber öffentlich postest.

Was tun, wenn es dich erwischt hat?

Wenn du Opfer von Identitätsdiebstahl geworden bist, handle schnell. Erstatte sofort Anzeige bei der Polizei. In der Schweiz kannst du das auch online über die Website deines Kantons machen. Das Polizeiprotokoll ist wichtig für alle weiteren Schritte.

Informiere deine Bank und alle betroffenen Dienstleister. Lass Kreditkarten sperren und Konten überwachen. Viele Banken bieten kostenlose Betrugswarnungen an, die dich sofort informieren, wenn verdächtige Aktivitäten festgestellt werden.

Ändere alle Passwörter, besonders für E-Mail, Banking und wichtige Online-Shops. Dokumentiere alles: Mach Screenshots, sammle E-Mails und Briefe. Je besser deine Dokumentation, desto einfacher wird es später, den Schaden zu begrenzen und deine Unschuld nachzuweisen.

Das nimmst du mit

Identitätsdiebstahl erkennst du an Warnsignalen wie unerklärlichen Abbuchungen, verdächtigen Login-Versuchen oder Rechnungen für Dinge, die du nicht bestellt hast. Je früher du reagierst, desto kleiner bleibt der Schaden.

Prüfe regelmässig deine Konten, aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung und nutze Tools wie haveibeenpwned.com, um zu checken, ob deine Daten kompromittiert sind. Ein Passwort-Manager und vorsichtiges Verhalten in Social Media machen es Kriminellen deutlich schwerer.

Wenn es dich erwischt hat: Polizei informieren, Bank kontaktieren, Passwörter ändern und alles dokumentieren. Identitätsdiebstahl ist kein Einzelfall mehr, aber mit den richtigen Massnahmen hast du ihn schnell im Griff.

Florian Muff
Head of Customer Success bei SignalFisher, CyberSeal Lead Auditor und im Vorstand der Allianz Digitale Sicherheit Schweiz. Schreibt jeden Mittwoch über Cybersecurity: praxisnah und ohne Fachjargon.

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